Pflegekultur und Gesellschaft

Die in pflegerischen Konzepten gern hervorgehobene Wichtigkeit der Gewährleistung einer “verlässlichen Tagesstruktur” bedeutet in der Realität vieler Pflegeeinrichtungen eine Anpassung des Lebensalltags von Menschen mit Demenz an die eigenen Arbeitsroutinen und Abläufe.

So bestimmen oft rein funktionale Aspekte, strukturelle Vorgaben und ökonomische Interessen der Einrichtungsträger über Tagesablauf und Alltagsnormalität in den Einrichtungen, nicht aber die Bedürfnisse der dort lebenden Menschen.

Der notwendige Wandel der bisherigen Pflegekultur in der Interaktion und Arbeit mit Menschen mit Demenz wird womöglich weniger durch einen “Marsch durch die Institutionen” zu erreichen, noch das Resultat neu geschaffener Pflegestandards sein, als vielmehr das Ergebnis eines “viralen”, von der Basis her selbst initiierten Prozesses der Veränderung.

Sebastian Kraus