Gesellschaft und Pflegekultur

Gesellschaft und Pflegekultur stehen in einem engen Wechselverhältnis zueinander. Eine intolerante und in ihren eigenen normativen Vorstellungen von Normalität erstarrte Gesellschaft wird beinah zwangsläufig auch eine bevormundende Pflegepraxis hervorbringen.

Eine offene und auf Inklusion und Akzeptanz basierende Gesellschaft wird hingegen neue Möglichkeiten und Chancen eröffnen für eine individuell erfahrbare Alltagsnormalität für Menschen mit Demenz.

So bedeutet die Veränderung einer Pflegekultur zugleich auch die Veränderung sozialer Räume und Begegnungsangebote, die Veränderung der Gesellschaft selbst.

Sie beginnt innerhalb unserer täglichen Praxis in den Pflegeeinrichtungen, in Sozialstationen und in Wohngemeinschaften für pflegebedürftige Menschen und unserem Eintreten für ein besseres und humaneres Gesundheitssystem.

Es erscheint dabei wenig aussichtsreich, auf veränderte politische und soziale Rahmenbedingungen zu warten. Unsere Aufgabe wird vielmehr sein, den notwendigen Wandel bereits in unserer eigenen Arbeit zu antizipieren und auf diesem Weg die Veränderung von Gesellschaft und Pflegekultur selber einzuleiten.

Ein Gedanke zu „Gesellschaft und Pflegekultur“

  1. Die Ethik der Pflege ist in großer Gefahr, nur noch in Aufsätzen und Vorträgen zu existieren und wird in vielen bunten Prospekten als Realität vermarktet. Der Zeitmangel in der täglichen Arbeit, hervorgerufen durch immer knappere Besetzungen (Pflegenotstand), hat nach den ersten Versuchen eines humanen Pflegeansatzes vor Jahren, einen “pragmatischen” und mittlerweile vielfach einen destruktiven Pflegealltag provoziert. Wieviel Wertschätzung kann ein Mitarbeiter einem dementen, sehr unruhigen und weglaufgefährdeten Menschen entgegenbringen, wenn er im Nachtdienst mit 60 Bewohnern alleine ist? Pflegekultur braucht Zeit, entspannte Mitarbeiter und eine Pflegephilosophie des Trägers, die auf die Selbstbestimmung und Würde des Menschen gegründet ist. Wir haben leider heute schon eine bevormundenden Pflegekultur, Ausnahmen bestätigen die Regel. Die neuen Polizeigesetze in Bayern sind nur eine Bestätigung dieser Entwicklung.

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