Defizitorientierte Wahrnehmung und Sprache in der Arbeit mit Menschen mit Demenz

Unsere Sprache bestimmt immer auch unsere konkrete soziale Praxis. In einer jüngst erschienenen aus der defizitorientierten Perspektive heraus argumentierenden Kritik meines Buches wurde ausschließlich von “Demenzkranken” gesprochen, statt von Menschen mit Demenz und von “aggressivem Verhalten”, statt von situativer Verkennung.

Nun stellt sich, nicht nur in der Diskussion unterschiedlicher Modelle für die Arbeit mit Menschen mit Demenz, sondern ebenso in der konkreten Praxis die Frage, welche Sprache wir dabei sprechen wollen: Die der früheren defizitorientierten Wahrnehmung und Pflegekultur, oder aber eine andere, neue.

Dass ein neuer und bedürfnisorientierter Ansatz für die Arbeit mit Menschen mit Demenz auch auf Widerspruch und auf Gegenwind stoßen wird, vermag kaum zu überraschen.

Längst ist das Thema Demenz zu einem Markt und mitunter auch einem Jahrmarkt unterschiedlicher Modelle und Methoden für den “richtigen Umgang” mit Menschen mit Demenz geworden. Dass in so einem Zusammenhang nicht nur sachlich begründete Einwände mit ins Spiel gebracht, oder aber auch konkurrierenden Ansätzen gegenüber Plagiatsvorwürfe erhoben werden, gehört womöglich mit zum Geschäft.

Noch vor nicht langer Zeit habe ich in einem englischsprachigen Fachchat auf Twitter gelesen, der personzentrierte Ansatz Kitwoods stamme noch aus den “dark ages” innerhalb der Demenzarbeit.

Wenn ich nun aber lese, Kitwoods Ansatz sei “normativ ideologisch” motiviert gewesen, stellt sich mir dabei unweigerlich auch die Frage, inwieweit wir uns tatsächlich bereits von diesen Zeiten entfernt haben, auch wenn es sich im hier angesprochenen Text nur um eine Einzelmeinung handeln mag, die in Fachkreisen eher als Außenseiterposition wahrgenommen wird.

Das begegnungsorientierte Modell wurde als praxisnaher Ansatz für die Arbeit von Pflegenden und Betreuenden entwickelt.

Eine Emanzipation der Pflege bedeutet, eigene und in ihrer Wirksamkeit nachweisbare Ansätze für die Praxis zu entwickeln und dies nicht länger anderen zu überlassen. Dies gilt, denke ich, insbesondere auch für den Bereich der gerontopsychiatrischen Pflege und der Alltagsbegleitung von Menschen mit Demenz.

Das Buch “Der begegnungsorientierte Ansatz bei Menschen mit Demenz” ist im Kohlhamer Verlag erschienen und auch als E-Book erhältlich.

-Anzeige-

Der begegnungsorientierte Ansatz bei Menschen mit Demenz innerhalb Deutschlands versandkostenfrei bestellen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.