Menschen mit Demenz wahrnehmen

In der gegenwärtigen Wahrnehmung der Demenz begegnen wir nach wie vor häufig einer negativen Sprache und Metaphorik, in der Menschen mit Demenz allein unter dem Aspekt des Verlusts früherer Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale beschrieben werden.

Sie erscheinen dabei als „versunken im Meer des Vergessens“, als “entschwunden”, „in der eigenen Vergangenheit oder aber in der Demenz versunken”, und im späteren Entwicklungsverlauf nur noch als bloße „menschliche Hülle“.

Wer den Anderen aber nur noch als Hülle wahrnimmt und beschreibt wird ihn womöglich auch in der konkreten Interaktion so behandeln: nicht als Mensch und als individuelle Person sondern als ein Objekt, dessen situative Mitteilungen und Verhaltensäußerungen nur noch daran bemessen werden, inwieweit es sich dabei in der ihm zugewiesenen Position des Objektseins „adäquat“ verhält oder aber auch „abwehrend und herausfordernd.“

Sebastian Kraus, Interaktionen