Defizitorientierte Wahrnehmung und Sprache in der Arbeit mit Menschen mit Demenz

Unsere Sprache bestimmt immer auch unsere konkrete soziale Praxis. In einer jüngst erschienenen aus der defizitorientierten Perspektive heraus argumentierenden Kritik meines Buches wurde ausschließlich von “Demenzkranken” gesprochen, statt von Menschen mit Demenz und von aggressivem Verhalten, statt von situativer Verkennung.

Nun stellt sich in unserer Arbeit mit Menschen mit Demenz für uns die Frage, welche Sprache wir dabei sprechen wollen: Die der früheren defizitorientierten Wahrnehmung und Pflegekultur, oder aber eine andere, neue.

Dass ein neuer bedürfnisorientierter Ansatz für die Arbeit mit Menschen mit Demenz auch auf Widerspruch und auf Gegenwind stoßen wird, vermag kaum zu überraschen. Dass in so einem Zusammenhang auch ein Plagiatsverdacht mit ins Spiel gebracht wird, gehört womöglich mit zum Geschäft.

Noch vor nicht langer Zeit habe ich in einem englischsprachigen Fachchat auf Twitter gelesen, der personzentrierte Ansatz Tom Kitwoods stamme noch aus den “dark ages” innerhalb der Demenzarbeit.

Wenn ich aber in einer aktuellen Rezension lese, Kitwoods Ansatz sei “normativ ideologisch” motiviert, stellt sich mir dabei unweigerlich auch die Frage, inwieweit wir uns tatsächlich bereits von diesen Zeiten entfernt haben. Oder handelt es sich hier vielleicht nur um eine vereinzelte Außenseiterposition?

Das begegnungsorientierte Modell wurde als praxisnaher Ansatz für die Arbeit von Pflegenden und Betreuenden entwickelt.

Eine Emanzipation der Pflege bedeutet, eigene und in ihrer Wirksamkeit nachweisbare Ansätze für die Praxis zu entwickeln und dies nicht länger anderen zu überlassen. Dies gilt, denke ich, insbesondere auch für den Bereich der gerontopsychiatrischen Pflege und der Alltagsbegleitung von Menschen mit Demenz.

Das Buch “Der begegnungsorientierte Ansatz bei Menschen mit Demenz” ist im Kohlhamer Verlag erschienen und auch als E-Book erhältlich.

Weiterführende Texte zum Beitrag:

Die hier angesprochene Rezension von Dr. Sven Lind können Sie bei Interesse hier nachvollziehen: https://www.socialnet.de/rezensionen/26092.php

Ein Interview zum begegnungsorientierten Ansatz erschien in der Fachzeitschrift Pflege Professionell und in einem Portrait des Kohlhammer Verlags: https://www.kohlhammer-pflege.de/community/portrait-29