Interaktionen

Wenn wir Offenheit und Akzeptanz gegenüber dem Anderssein des Anderen als Bedingungen einer positiven Interaktion begreifen, in der Alltagsnormalität, Identität und Personsein wechselseitig erfahrbar werden, können wir Ignoranz, konfrontierendes und bevormundendes Verhalten im Gegenzug als Ausgangspunkt und Basis negativer Interaktionen betrachten.

Negative Interaktionen in der Arbeit mit Menschen mit Demenz entstehen dort, wo  Bedürfnisse und Begegnungsangebote des Anderen missachtet, aus der eigenen Perspektive heraus übersehen oder aber auch wissentlich übergangen werden.

Sie basieren auf Unkenntnis, Ignoranz oder aber auch einer negativ bestimmten Haltung und der aus dieser Haltung heraus resultierenden Praxis.

In der negativen Interaktion mit Menschen mit Demenz verlieren wir die Person des anderen in ihren situativen Mitteilungen und den darin zum Ausdruck gebrachten Bedürfnissen und Emotionen aus den Augen und zugleich auch die Wahrnehmung von uns selbst, unserer eigenen Handlungen und Motive.

Negative Interaktionen bedeuten dabei immer auch eine Entpersönlichung und Entfremdung, den Verlust von authentischen Handlungsspielräumen und Wahrnehmungsmöglichkeiten.

Wir sind „neben“ uns selbst, neben dem was geschieht, was wir sagen und tun. Genau hier aber liegt die Ursache vieler situativer Verkennungen.

Sebastian Kraus